Kurz-Chronik
Am Anfang war nur der große Wald. Wann und wie die ersten Dörfer zwischen Rachel und Lusen entstanden sind, weiß niemand genau. Lesen und Schreiben konnten damals um das Jahr 1000 nur die geistlichen Herren und die saßen noch weitab im Kloster Niederalteich. Die erste Kunde erfahren wir aus dem Salbuch der Grafen von Windberg, deren Burg nahe der Stadt Vilshofen lag und inzwischen eine längst verfallene Ruine geworden ist. Ihre Nachfolger waren die Grafen von Hals.
Im Jahr 1319 - so kündet die Geschichte - weilte der Graf zur Jagd bei uns, stürzte vom Pferd und erlebte eine wundersame Heilung an einer Quelle. Zum Dank dafür stiftete er zu Ehren des Hl. Oswald eine Kapelle. Der Schutzpatron dieser Kapelle, der englische König und Märtyrer Sankt Oswald, hat sich um die Ausbreitung des Christentums in unserem Land verdient gemacht.

Landgraf Johann von Leuchtenberg, Vizedom von Niederbayern, Erbe und Nachfolger der 1375 ausgestorbenen Grafen von Hals bei Passau, erbaute 1389 über der Brunnenkapelle eine kleine Kirche und begründete an gleicher Stelle 1396 ein Kloster. Zu seiner Gründung übergab der Stifter die ihm unterstellte Pfarrei der nahen Stadt Grafenau, die bis 1803 bei Sankt Oswald verblieb, 6 Dörfer, eine Sägemühle und die ausgedehnten Waldungen bis Rachel und Lusen.

Das Klösterlein wurde mit Paulinermönchen aus Italien besetzt, den ersten, die nach Bayern kamen. An der rauen, wenig fruchtbaren Hochwaldgegend fanden sie keinen Gefallen, deshalb zogen sie schon nach 35 Jahren, im Jahre 1431 wieder ab.

Auf Bitten des Grafen übernahmen nunmehr Augustiner Chorherren die verlassene Stätte. Im Landshuter Erbfolgekrieg 1504 hatte auch Sankt Oswald schwer zu leiden. Die Grafschaft Hals kam unter herzogliche Landeshoheit und da auch die Augustiner Chorherren mit dem Wald und dem rauhen Klima nicht fertig wurden, bat der Herzog im Jahr 1581 den Abt von Niederalteich, das Kloster Sankt Oswald unter die Obhut der Benediktiner zu nehmen. Nun erlebte das Kloster einen großen Aufschwung und war jahrhundertelang geistiger Mittelpunkt des mittleren Bayerischen Waldes.

Auf dem herzoglichen "Goldenen Steig" von Vilshofen über Sankt Oswald und der Blauen Säule am Lusen wurde das wertvolle Salz jahrhundertlang in das böhmische Land transportiert. Das Jahr 1803 brachte infolge der napoleonischen Kriege tief greifende staatliche und kulturelle Veränderungen, darunter die gewaltsame Aufhebung und Enteignung vieler bayerischer Klöster. Auch das Kloster Sankt Oswald verfiel der Auflösung, das Land verlor seinen uralten Kulturmittelpunkt. Der Staat nahm die Waldungen in Besitz und aus den lehenspflichtigen Klosteruntertanen wurden Holzhauer und Bauern.

Unter unsäglichen Mühen mussten unsere Vorfahren dem Wald Felder und Wiesen abringen. Dafür aber gab der Wald Feuerungsmaterial, Quarz und Pottasche für die Glaserzeugung. Daher gründete schon Herzog Georg der Reiche um das Jahr 1500 in unserer Gemeinde eine der ältesten Glashütten des Bayerischen Waldes, nämlich die Riedlhütte. Sie war ursprünglich "die Hütte am Reichenberg" benannt, nach dem gleichnamigen nahen Dorf, in dem bis Ende des 30-jährigen Krieges ein stattliches Jagdschloss der bayerischen Herzöge stand. Die damaligen Hütten "wanderten", das heißt, sie wurden abgebrochen, sobald die zugewiesenen Holzumgriffe abgeholzt und der Holztransport zu umständlich wurde. Sie wurden einfach wieder an einer anderen Stelle im Wald aufgebaut. Auch die Riedlhütte wanderte mehrmals, bis sie dann Mitte des vorigen Jahrhunderts an ihrer jetzigen Stelle endgültig sesshaft wurde. 1527 gab Georg Riedl der Ortschaft Riedlhütte ihren Namen.

Durch das erste Gemeindeedikt vom Jahr 1808 wurden aus den lehenspflichtigen Klosterdörfern die Ortsgemeinden, durch das zweite Gemeindeedikt vom Jahre 1818 die jetzige politische Gemeinde Sankt Oswald gebildet. Mit Entschließung vom 05.08.1957, dem Namensfest des Schutzpatrons von Kirche und Gemeinde, verlieh das Staatsministerium des Innern der Gemeinde das Wappen, das "Geteilt von Blau und Gold, oben zwischen zwei gekreuzten silbernen Beilen schwebend einen silbernen Glasbecher, unten auf grünem Dreiberg sitzend einen schwarzen Raben mit einem silbernen Ring im Schnabel" zeigt. Durch den Aufschwung der Glashütte, der Umstellung der früher landwirtschaftlich ausgerichteten Gemeinde zur Industrie- und Fremdenverkehrsgemeinde verlieh das Bayer. Staatsministerium des Innern am 01.03.1979 der Gemeinde den Doppelnamen "Sankt Oswald-Riedlhütte".